Richtfest in luftiger Höhe

Richtfest in luftiger Höhe Auf dem Dach des Telekom-Gebäudes: (von links) Zimmerer Michele Marino, Landrat Thomas Bold und Architekt Christian Teichmann. Foto: Anja Vorndran/Landkreis Bad Kissingen

Das Ex-Telekom-Gebäude wird vom Landkreis Bad Kissingen generalsaniert und bietet Platz für das Sachgebiet Verkehrswesen, für das Zentrum für Telemedizin und für die Erlebnis- und Beratungswelt des Projekts „DeinHaus 4.0 Unterfranken".

Als Gespräche zum Kauf des ehemaligen Telekom-Gebäudes anstanden, sagte Landrat Thomas Bold beim Richtfest auf dem Dach des Hauses vor rund 50 geladenen Gästen, habe es einige Diskussionen gegeben. Doch jetzt zeige sich, „dass die Immobilie für die Zukunft dringend erforderlich ist". Die Immobilie, wenige Minuten von der Stadtmitte entfernt, wird vom Landkreis generalsaniert und bietet Platz für das Sachgebiet Verkehrswesen, für das Zentrum für Telemedizin und für die Erlebnis- und Beratungswelt des Projekts „DeinHaus 4.0 Unterfranken". Das Projekt „DeinHaus 4.0 Unterfranken" sei ein zentrales Angebot über den Landkreis Bad Kissingen hinaus, so Bold. Als Grellmann, Kriebel, Teichmann und Partner sich im November 2018 als Architekturbüro um das Telekom-Gebäude bewarben, hätten sie nichts von einer Pandemie und noch nichts von einem hölzernen Pavillon gewusst, erklärte Architekt Christian Teichmann.

Blick in die Zukunft

„Doch dank des Pavillons können wir heute Richtfest feiern", sagte Teichmann und erinnerte daran, dass der Holzpavillon für die Musterwohnung „DeinHaus 4.0 Unterfranken" zunächst für einen anderen Standort vorgesehen war. Jetzt konnte der Pavillon in konventioneller Bauweise errichtet werden und so ein richtiges Zimmererrichtfest gefeiert werden, „was bei der Generalsanierung eines bestehenden Flachdachbauwerkes aus Beton nicht unbedingt üblich ist." Als nächsten Schritt, blickte er in die Zukunft, würde das Haus ein neues Kleid erhalten, gewebt aus im vorhandenen Sandsteinton durchgefärbten und strukturierten Faserbetonplatten. Diese würden die horizontale Sandsteingliederung aufnehmen. Zudem werde die Bänderung des einstigen Postgebäudes, die schon seit vielen Jahren unter einer Styropor-Wärmedämm-Putz-Fassade verschwunden ist, nun zeitgenössisch übersetzt wieder sichtbar. „Die Feierstunde hat geschlagen, es ruhet die geübte Hand, nach harten, arbeitsreichen Tagen grüßt stolz der Richtbaum nun das Land", sprach Zimmerer Michele Marino von der Firma Fleischmann Holzbau GmbH & Co.KG aus Kulmbach den Richtspruch aus, bevor das Glas zum dreimaligen Hochleben gefüllt und im Anschluss auf dem Boden zerschellt wurde. Das bringt Glück.

Rückblick und Ausblick

Einst saßen hier Männer und Frauen vom Fernmeldeamt, später nahmen MitarbeiterInnen der Telekom in den Büros per Headset und Telefon Beschwerden entgegen oder verkauften Produkte und Dienstleistungen des Unternehmens. Noch später, nach dem Kauf des Gebäudes durch den Landkreis 2017, zogen aufgrund von Bauarbeiten am Hauptgebäude des Landratsamtes vorübergehend Angestellte vom LGL (Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit) und vom Landratsamt Bad Kissingen ein. Nach dem Umzug zurück in das Hauptgebäude steht die Generalsanierung des Telekomgebäudes an, in dem jetzt Richtfest gefeiert wurde. Rund 12,3 Millionen Euro soll die Sanierung des ca. 20 Meter hohen, sechsgeschossigen Gebäudes samt Keller kosten, bis Dezember 2022 sollen alle Bauarbeiten abgeschlossen sein. „Coronabedingt kann es zu Verspätungen bei Materiallieferungen kommen", räumt Projektleiter Alexander Fadeev ein, doch er blickt zuversichtlich in die Zukunft, dass die rund 4200 Quadratmeter, die das Ensemble umfasst, zum geplanten Zeitpunkt bezogen werden können. Auch Landrat Thomas Bold freut sich über den Baufortschritt. „In unserer Immobilie setzen wir auf neueste Technik und wollen gleichzeitig die schönen Bauteile, wie die Arkaden und den Fußbodenbelag erhalten", beschreibt er den Umbau des alten Fernmeldeamtes. „Zudem stellt sich der Landkreis mit seinem Gebäudemanagement zukunftsfest auf, um auch weiterhin dem Bedarf an Arbeitsplätzen und modernem Bürgerservice gewachsen zu sein.", so der Landkreischef weiter.

Barrierefreier Eingang

Im Erdgeschoss, zum Berliner Platz hin, zieren die Arkadensäulen, ein gewohntes Bild für viele Einheimische und Gäste, den Vorbau. „Die älteren Kissingerinnen und Kissinger wissen noch, dass sich an dieser Stelle das ehemalige Fernmeldeamt, der damals größte Arbeitgeber in der Stadt Bad Kissingen, befand. Nun entsteht dort ein neues prägendes Gebäude in der Innenstadt - mit viel Zukunft. Denn mit dem Zentrum für Telemedizin holen wir einen wichtigen Innovationstreiber für den Gesundheitsstandort Bad Kissingen mitten in die Stadt und damit auch ins öffentliche Bewusstsein", sagt Oberbürgermeister Dr. Dirk Vogel. Die Front am Gebäude wird mit einer Glasfassade und einem barrierefreien Eingang versehen. Hier ziehen die Zulassungsstelle samt Schilderprägung ein. Das Stockwerk darüber soll der Führerscheinstelle als neue Heimat dienen. Rund 77 MitarbeiterInnen, die sich jetzt zum Teil in der Außenstelle in Hausen um die Anliegen der BürgerInnen kümmern, arbeiten dann in den neuen Büros. Im dritten und vierten Stock befindet sich das Zentrum für Telemedizin (ZTM). Vom alten Fernmeldeamt stehen im Prinzip nur noch die Grundmauern. Die Toiletten, die am Gebäude anschlossen, mussten weichen, das Penthouse, ehemals Fernmeldeamt-Hausmeisterwohnung, wurde ebenfalls komplett abgebrochen.

„DeinHaus 4.0 Unterfranken" Erlebnis- und Beratungswelt

Hier, ganz oben, entsteht in der Erlebnis- und Beratungswelt „DeinHaus 4.0 Unterfranken" eine mit allen modernen Raffinessen zum Thema Wohnassistenzsysteme ausgestattete Musterwohnung. Wohnassistenzsysteme sollen dazu beitragen länger und selbstbestimmt zuhause, in der gewohnten Umgebung, wohnen zu können. Das Thema Wohnen im Alter bzw. im Pflegefall spielt im Landkreis eine große Rolle, denn der Anteil der pflegebedürftigen Menschen nimmt zu. Um diesem Trend zu begegnen, nimmt der Landkreis Bad Kissingen am Modellprojekt „DeinHaus 4.0 Unterfranken" teil. „Im Rahmen des Projekts möchten wir Interessierten aufzeigen, welche Möglichkeiten Wohnassistensysteme bieten und wie man schon in jungen Jahren zum Beispiel bei einem Neu- oder Umbau möglichen Pflegebedarf berücksichtigen kann", fasst Projektleiterin Cordula Kuhlmann zusammen. Ein wichtiger Projektbaustein ist die neu errichtete Erlebnis- und Beratungswelt in Form einer Musterwohnung, in der mögliche Lösungen durch Wohnassistenzsysteme erlebbar gemacht werden. Als zentraler Anlaufpunkt bietet sie BürgerInnen sowie unterstützenden und beratenden Fachkräften aus verschiedenen Bereichen wie Pflege, Medizin, Handwerk, Bau- und Wohnwirtschaft die Möglichkeit, sich direkt vor Ort Informationen rund um das Thema Wohnassistenzsysteme im häuslichen Umfeld einzuholen. Interessierte können dort Wohnassistenzsysteme – von der Bodenüberwachung bis zur Herdabschaltung - mit Hilfe von anschaulichen Demonstratoren im Anwendungsfall ansehen, ausprobieren und erleben. Dafür überreichte Bayerns Gesundheits- und Pflegeminister Klaus Holetschek kürzlich einen Förderbescheid: 1,7 Millionen Euro investiert der Freistaat in das Modellprojekt des Landkreises Bad Kissingen und der ZTM (Zentrum für Telemedizin).

Der Mensch steht im Vordergrund

Wichtig ist den Verantwortlichen, Menschen die Angst vor der Technik zu nehmen und gleichzeitig die Akzeptanz für moderne Lösungen zu erhöhen. „Bei allen digitalen und technischen Raffinessen steht hier immer der Mensch im Vordergrund. Durch den Einsatz der neuen Technik können wir den Alltag von Pflegebedürftigen sicherer und komfortabler gestalten. Dies entlastet Pflegekräfte, pflegende Angehörige und das helfende Umfeld", betont Landrat Thomas Bold die Vorteile und lobt die Zusammenarbeit mit dem ZTM. Mit dem ZTM stünden erfahrene und sehr kompetente Projektpartner zur Seite. Zudem sei die Gesundheitswirtschaft eine der wichtigsten Branchen im Landkreis Bad Kissingen. Die Eröffnung der Erlebnis- und Beratungswelt ist für Ende 2022 geplant. Aus der Theorie wird dann Praxis. „Besucherinnen und Besucher können in der Musterwohnung beispielsweise ausprobieren, wie ein Herdsensor funktioniert, der aus einem Bewegungs- und Temperatursensor besteht.", erklärt Sebastian Dresbach, Geschäftsführer des ZTM Bad Kissingen. Wird der Herd ungewöhnlich heiß oder registriert der Sensor längere Zeit keine Bewegung mehr, erfolgt automatisch die Unterbrechung der Stromversorgung um einen Brand zu verhindern. Der Sensor erkennt auch, wenn eine Person das Haus verlässt und schaltet dann ebenfalls den Herd ab, falls das vergessen wurde.

Steigerung der Sicherheit

Die Wohnung lernt mit Hilfe künstlicher Intelligenz permanent dazu. Dabei kommen Systeme zum Einsatz, die das Verhalten und Bewegungen verfolgen und beispielsweise Stürze, Inaktivität oder das Ausbleiben von Routinen erkennen, um so im Notfall vorabbestimmte AnsprechpartnerInnen zu informieren. Menschen mit motorischen Einschränkungen bringt das Aufstehbett Erleichterung, denn es hilft, ohne fremde Hilfe aus dem Bett aufzustehen. Im Wohnzimmer – neben anderen kleinen Helfern – ist ein Feuchtigkeitssensor aufgestellt. Er erinnert die BewohnerInnen daran, ausreichend zu lüften, das dient dem persönlichen Wohlgefühl und verhindert Schimmelbildung. Auch über die Häuslichkeit hinaus können Wohnassistenzsysteme unterstützen und zu mehr Selbstständigkeit beitragen. Dabei werden die Systeme am Körper getragen und können über ein GPS-Signal im Bedarfsfall aktiviert werden. Vor allem im Fall von Hinlauftendenzen, die häufig in Verbindung mit Demenz auftreten, können die Personen dann geortet und ihnen schnellstmöglich geholfen werden. Eine interaktive Wanderausstellung zum Thema „DeinHaus 4.0" wird ab Herbst 2021 im Lichthof des Landratsamtes Bad Kissingen und an anderen Standorten in Unterfranken zu sehen sein. Alle Informationen zu „DeinHaus 4.0 Unterfranken" gibt es schon jetzt auf der zentralen Projektwebseite www.deinhaus4punkt0.de.

Innovative Fenster

Auf dem Dach entsteht eine Photovoltaik-Anlage, von hier fließt der Strom auch an eine Ladesäule für E-Fahrzeuge, die beim Parken aufgeladen werden können. Innovativ geht es weiter bei den Kastenfenstern an der Südseite: Die Doppelglasfenster in der Größe ca. 160 x 1,60 Meter, schützen vor Lärm, und sorgen mit ihren Lüftungsschlitzen in Form von kleinen Brunnen für ein gutes Raumklima. Bei Kälte kommt Frischluft von außen, erwärmt sich im Zwischenraum der beiden Fenstergläser, die rund 30 Zentimeter Abstand haben und gelangt durch weitere Lüftungsschlitze im Innenrahmen in den Innenraum. Bei starker Sonneneinstrahlung schützt das Doppelglas vor Wärme, über Nacht dringt kühle Luft von außen nach innen, auch das hilft, die Temperatur zu senken. „Das Büro ist am Morgen dann sicher nicht kalt, aber deutlich kühler, als ohne die Lüftungsfilter", erklärt Fadeev. Auch wenn vieles neu und anders werden soll, drei Dinge haben sich nicht geändert: Die Rundsäulen am Eingang bleiben. Der Bodenbelag, die sandfarbenen Marmorplatten des alten Fernmeldeamtes werden ausgebessert, neu poliert und versiegelt und auch im Keller bleibt fast alles beim Alten: Hier sollen neue Brennwertkessel für Wärme sorgen, ansonsten erhält der Raum lediglich eine Farbe.

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Aufklärung und Informationen zum Einsatz von Wohnassistenzsystemen

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